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Welpen erziehen: Die ersten Wochen richtig gestalten

Juli 5, 2026
Welpen erziehen: Die ersten Wochen richtig gestalten

Einen Welpen aufzuziehen ist eine der schönsten, aber auch anspruchsvollsten Aufgaben, die ein Hundehalter übernehmen kann. Die ersten Wochen und Monate legen das Fundament für das gesamte weitere Zusammenleben — und wer hier Fehler macht, hat oft jahrelang damit zu kämpfen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, worauf es wirklich ankommt: von den ersten Tagen zu Hause über die wichtigsten Grundkommandos bis hin zur Frage, wann und warum eine professionelle Hundeschule unverzichtbar ist.

Die ersten Tage: Ankommen lassen und Vertrauen aufbauen

Wenn der Welpe zum ersten Mal ins neue Zuhause kommt, ist alles neu und oft überwältigend — für das Tier, aber auch für die Familie. Der erste Impuls vieler Menschen ist, den kleinen Hund sofort überall herumzutragen, alle Freunde einzuladen und jede Minute mit Spielen zu verbringen. Das ist gut gemeint, aber kontraproduktiv. Welpen brauchen in den ersten Tagen vor allem Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten.

Richten Sie eine feste Schlafecke ein — eine Hundebox (Crate) hat sich dabei sehr bewährt. Das Tier lernt schnell, dass das sein Rückzugsort ist, an dem niemand stört. Die Box sollte niemals als Strafe eingesetzt werden, sondern als geborgener Ort.

Name, Stubenreinheit und erste Grenzen

Das Wichtigste in der ersten Woche: Der Welpe lernt seinen Namen und die grundlegenden Grenzen. Sprechen Sie den Namen immer positiv aus — niemals im Zusammenhang mit Tadel. Das Tier soll den eigenen Namen mit etwas Gutem verbinden.

Die Stubenreinheit ist für viele Halter die größte Herausforderung der ersten Wochen. Der entscheidende Trick: Regelmäßigkeit schlägt Strenge bei weitem. Führen Sie den Welpen nach dem Aufwachen, nach dem Fressen, nach dem Spielen und vor dem Schlafen konsequent nach draußen. Loben Sie ihn überschwänglich, wenn er draußen sein Geschäft macht. Unfälle in der Wohnung passieren immer — aber ohne Strafe, einfach wegmachen und weitermachen.

Gleichzeitig müssen Grenzen gesetzt werden. Was jetzt erlaubt ist — aufs Sofa springen, an Möbeln kauen, auf die Hand beißen beim Spielen — wird später kaum noch abzugewöhnen sein. Konsequenz bedeutet nicht Härte, sondern Klarheit: Dieselbe Regel gilt immer, nicht nur wenn man gut gelaunt ist.

Erste Kommandos: Sitz, Platz, Komm

Ab der zweiten oder dritten Woche können die ersten Grundkommandos eingeführt werden. Die Lernfähigkeit von Welpen ist in dieser Phase erstaunlich — das Gehirn ist wie ein Schwamm. Wichtig ist jedoch: kurze Trainingseinheiten von maximal fünf Minuten, immer mit positiver Verstärkung (Leckerlis, Lob, Spiel), und niemals wenn das Tier müde oder gerade gefressen hat.

Die drei wichtigsten Grundbefehle:

  • Sitz — einfach zu lernen, schafft sofort eine klare Kommunikation
  • Platz — wichtig für ruhige Situationen (Besuch, Restaurant, Tierarzt)
  • Hier / Komm — möglicherweise das wichtigste Kommando überhaupt, da es im Notfall lebensrettend ist

Das Rückrufkommando muss zuverlässig sitzen — und das bedeutet hunderte Wiederholungen unter verschiedenen Bedingungen. Rufen Sie den Hund niemals zu etwas Unangenehmem (z. B. Badewanne), sonst verbindet er das Kommen mit negativen Erlebnissen.

Warum die Hundeschule unverzichtbar ist — und warum man selbst dabei sein muss

Hier liegt einer der häufigsten Irrtümer in der Hundeerziehung: Viele Besitzer schicken ihren Hund in die Schule — allein. Das funktioniert nicht. Ein Hund, der nur beim Trainer sitzt und gehorcht, zu Hause aber macht, was er will, hat nichts gelernt. Was er gelernt hat: Beim Trainer gehorche ich, beim Herrchen nicht.

Eine gute Begleithundschule (früher auch Schutzhundschule oder Verein nach VDH-Standard) trainiert Hund und Halter gemeinsam. Das ist der entscheidende Unterschied. Der Mensch lernt, wie er Signale sendet, wie er sich verhält, wie er Fehler erkennt und korrigiert. Der Hund lernt, auf seinen Menschen zu hören — nicht auf einen fremden Trainer.

Der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) bietet eine Vereinssuche an, mit der man seriöse Hundeschulen und Vereine in der Nähe findet. Achten Sie auf Mitgliedschaft im VDH oder einem Mitgliedsverband, auf ausgebildete Trainer und auf eine Probestunde, die angeboten wird. In einem guten Verein wird Hundesport nicht nur gelernt, sondern auch das soziale Miteinander — von Hunden untereinander und von Haltern, die sich gegenseitig unterstützen.

Für die Grundausbildung reicht eine Begleithundausbildung (BH) völlig aus. Sie deckt ab: Unterordnung (Sitz, Platz, Hier, Fuß), Verhalten gegenüber Fremden, Leinenführigkeit, Ablage mit Ortsveränderung des Führers. Das ist praktische Alltagstauglichkeit — nicht Kunststücke.

Typische Fehler bei der Welpenerziehung

Aus der Erfahrung von Hundeschulen und aus den Empfehlungen der Tierärztekammer lassen sich einige klassische Fehler benennen, die Halter immer wieder machen:

  • Inkonsequenz: Heute ist etwas verboten, morgen wird es toleriert. Der Hund lernt: Die Regeln sind verhandelbar.
  • Zu viel Bestrafung, zu wenig Lob: Positive Verstärkung ist wissenschaftlich nachgewiesen effektiver als Strafe. Der Hund lernt schneller, was er tun soll, als was er nicht tun soll.
  • Sozialisierungsfenster verpassen: Das kritische Sozialisierungsfenster liegt zwischen der 3. und 16. Lebenswoche. In dieser Zeit sollte der Welpe möglichst viele verschiedene Menschen, Tiere, Geräusche und Situationen kennenlernen — positiv verknüpft.
  • Allein lassen zu früh: Alleinsein muss langsam trainiert werden. Fünf Minuten, zehn Minuten, eine halbe Stunde — nicht von Stunde eins an acht Stunden allein.
  • Keine Hundeschule: Oder wie beschrieben: Hundeschule ohne Halter.

Besondere Eigenschaften und Erziehung beim Sharpei

Der Sharpei ist eine der ältesten und eigenwilligsten Hunderassen der Welt. Ursprünglich aus China stammend, wurde er als Wach- und Kampfhund gezüchtet — das prägt den Charakter bis heute. Ein Sharpei ist nicht die Rasse für jeden: Er ist selbstständig, oft stur, manchmal misstrauisch gegenüber Fremden und sehr stark an eine Person gebunden.

Das bedeutet für die Erziehung: frühzeitig, konsequent und mit viel Geduld. Ein Sharpei lässt sich nicht durch Härte erziehen — das führt zu Blockade oder Aggressivität. Er braucht eine ruhige, aber klare Führung. Besonders wichtig: die Hundeschule mit dem Halter, denn der Sharpei ist sehr „halterorientiert“ — er gehorcht in erster Linie der Person, der er vertraut. Ohne dieses Vertrauen gibt es keine zuverlässige Unterordnung.

Die Sozialisierung ist beim Sharpei noch wichtiger als bei anderen Rassen. Fremde Menschen, andere Hunde, laute Geräusche — je mehr positive Erfahrungen in den ersten Monaten, desto ausgeglichener der erwachsene Hund.

Unsere Erfahrung: Bassja — die Schutzhundschule hat alles verändert

Dmytro, Hundebesitzer:

Shar-Pei Hündin Bassja ausgewachsen – aus der Familie des Autors
Bassja als ausgewachsene Shar-Pei-Hündin. Sie hat bis zuletzt die Begleithundausbildung in Erinnerung behalten.

Wir hatten eine Sharpei-Hündin, Bassja. Ein wunderbares Tier — eigenwillig, treu, mit einem unglaublichen Charakter. Aber ohne die richtige Schule wäre es viel schwerer geworden.

Was den Unterschied gemacht hat: Wir sind gemeinsam in die Schule gegangen — Bassja und ich. Nicht: Hund abgeben, Hund abholen, fertig. Nein: Ich war dabei, ich habe gelernt, ich habe verstanden, wie ich mich verhalten muss, damit sie auf mich hört. Das war eine Begleithundschule nach VDH-Standard — und es war eine der besten Entscheidungen, die ich in Bezug auf sie getroffen habe.

Ein Sharpei ist kein Labrador, der aus reiner Freude gehorcht. Er gehorcht, wenn er vertraut. Dieses Vertrauen muss man sich erarbeiten — und die Schule hat mir gezeigt, wie.

Bassja ist letztes Jahr gestorben. Sie war eine außergewöhnliche Hündin. Ich denke oft an sie — und daran, wie viel schöner unsere gemeinsame Zeit war, weil ich früh bereit war, selbst etwas zu lernen.

Fazit: Gute Erziehung ist eine Investition

Einen Welpen gut zu erziehen kostet Zeit, Energie und manchmal auch Nerven. Aber es lohnt sich — für den Hund, der klare Strukturen braucht, und für den Menschen, der mit einem ausgeglichenen, verlässlichen Tier zusammenleben möchte. Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Regelmäßigkeit und Konsequenz von Anfang an
  • Positive Verstärkung statt Strafe
  • Das Sozialisierungsfenster nutzen
  • Grundkommandos früh und regelmäßig üben
  • Hundeschule — gemeinsam mit dem Halter
  • Bei besonderen Rassen wie dem Sharpei: Geduld und halterorientiertes Training

Quellen: VDH – Verband für das Deutsche Hundewesen (vdh.de), Bundestierärztekammer (bundestieraerztekammer.de)

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