Ja, Selbstständige können eine Immobilie finanzieren – aber unter deutlich härteren Bedingungen als Angestellte. Höhere Zinsen, mehr Unterlagen, weniger Verhandlungsspielraum: Wer nicht weiß, worauf es ankommt, verliert leicht tausende Euro. Dieser Artikel zeigt konkret, welche Banken Selbstständige überhaupt finanzieren, was sie dafür verlangen – und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten. Dmytro, Unternehmer aus Deutschland, teilt seine eigene Erfahrung mit einem Immobilienkredit für seine Frau Yulia: DZ HYP, über 7 % Zinsen, ein Makler mit zweifelhafter Loyalität – und die Lehren, die er daraus zieht. Kein Schönreden, nur Fakten.
Warum Banken Selbstständige benachteiligen
Für Banken ist ein Angestellter ein einfaches Risikokalkül: festes Gehalt, Lohnzettel, SCHUFA – fertig. Bei Selbstständigen hingegen schwankt das Einkommen. Keine Gehaltsgarantie, kein Arbeitgeber, der im Zweifelsfall haftet. Aus Bankenperspektive bedeutet das: erhöhtes Ausfallrisiko.
Das schlägt sich direkt auf die Kreditkonditionen nieder:
- Höhere Zinsen: Selbstständige zahlen oft 0,5 bis 1,5 % mehr Zinsen als vergleichbare Angestellte – manchmal deutlich mehr.
- Strengere Anforderungen an Eigenkapital: Während Angestellte theoretisch mit 10–15 % Eigenkapital finanziert werden, verlangen viele Banken von Selbstständigen 20–30 %.
- Komplexere Bonitätsprüfung: Statt eines Lohnzettels brauchen Sie Steuerbescheide der letzten zwei bis drei Jahre, Gewinn-und-Verlust-Rechnungen und teils betriebswirtschaftliche Auswertungen.
- Restriktivere Kreditbedingungen: Sondertilgungen werden eingeschränkt oder ausgeschlossen, Vorfälligkeitsentschädigungen sind hoch.
Dazu kommt: Viele Banken lehnen Selbstständige pauschal ab – entweder aus internem Policy-Druck oder weil die Kreditprüfung zu aufwändig ist. Das bedeutet nicht, dass Sie chancenlos sind. Es bedeutet, dass Sie die richtigen Banken ansprechen müssen.
Welche Banken Selbstständige finanzieren
Nicht jede Bank ist gleich. Bei der Immobilienfinanzierung für Selbstständige gibt es deutliche Unterschiede zwischen Universalbanken, Genossenschaftsbanken und spezialisierten Anbietern.
Genossenschaftsbanken und Volksbanken
Volksbanken und Raiffeisenbanken sind oft die erste Anlaufstelle für Selbstständige – und das aus gutem Grund. Als Genossenschaftsbanken kennen sie ihr regionales Klientel und haben mehr Spielraum bei der Kreditvergabe als große Filialbanken. Die genossenschaftliche Zentralbank DZ HYP ist dabei ein wichtiger Player: Sie spezialisiert sich auf Immobilienfinanzierungen und ist über das Netz der Volksbanken zugänglich. Für Unternehmer und Selbstständige gibt es hier tatsächlich Finanzierungsmöglichkeiten – zu entsprechenden Konditionen.
Sparkassen
Sparkassen entscheiden ebenfalls regional und kennen lokale Gewerbetreibende oft persönlich. Das kann ein Vorteil sein – oder eben nicht, wenn der Sachbearbeiter skeptisch ist. Ohne funktionierende Beziehung zur Hausbank ist es schwer.
Spezialisierte Kreditvermittler und Direktbanken
Über unabhängige Finanzierungsvermittler lassen sich mehrere Banken gleichzeitig anfragen – theoretisch ein Vorteil, da Konditionen verglichen werden können. In der Praxis sollten Sie jedoch darauf achten, dass der Vermittler wirklich in Ihrem Interesse handelt und nicht im Interesse der Bank, die die höchste Provision zahlt (dazu mehr im Erfahrungsbericht).
Was Banken von Selbstständigen grundsätzlich wollen
Unabhängig vom Anbieter gilt: Banken wollen Planungssicherheit. Je stabiler Ihr Einkommen der letzten Jahre wirkt, desto besser stehen Ihre Chancen. Ein Jahr mit starkem Einbruch kann eine Finanzierung zunichtemachen – selbst wenn die letzten zwei Jahre gut waren.
Voraussetzungen & Unterlagen
Die Unterlagenliste für Selbstständige ist umfangreicher als für Angestellte. Bereiten Sie folgende Dokumente vor:
Einkommensnachweise
- Steuerbescheide der letzten 2–3 Jahre (einschließlich Einkommensteuerbescheid)
- Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) – idealerweise der letzten 12–24 Monate, mit Unterschrift und Stempel des Steuerberaters. Ohne Steuerberater ist eine Immobilienfinanzierung als Selbstständiger in der Praxis kaum möglich – die meisten Banken akzeptieren keine BWA ohne diesen Nachweis.
- Jahresabschlüsse (Bilanz oder EÜR) – je nach Rechtsform
- Aktuelle betriebliche Kontoauszüge (3–6 Monate)
Persönliche Unterlagen
- SCHUFA-Selbstauskunft
- Lichtbildausweis
- Nachweis über vorhandenes Eigenkapital (Kontoauszüge, Depotauszüge)
- Angaben zu bestehenden Verbindlichkeiten
Immobilienunterlagen
- Exposé oder Kaufvertragsentwurf
- Grundbuchauszug
- Flurkarte und Grundriss
- Energieausweis
- Bei Bestandsimmobilien: Fotos und ggf. Gutachten
Je vollständiger Ihre Unterlagen, desto schneller und unkomplizierter läuft die Prüfung ab. Fehlende Dokumente kosten Zeit – und manchmal das Objekt, wenn ein anderer Käufer schneller ist.
Einen guten Überblick über verschiedene Strategien rund ums Immobilienthema finden Sie auch in unserem Beitrag zu Schrottimmobilien als Investition – ein oft unterschätzter Weg zum Eigentum.
So verbessern Sie Ihre Chancen
Es gibt konkrete Stellschrauben, mit denen Selbstständige ihre Kreditwürdigkeit verbessern können – vor der Antragstellung:
1. Einkommenshistorie stabilisieren
Banken schauen auf Konstanz. Wenn Sie wissen, dass Sie in 12–18 Monaten finanzieren wollen, achten Sie darauf, dass Ihre BWA-Zahlen stabil bleiben. Außergewöhnliche Ausgaben, die das Ergebnis drücken, sollten Sie idealerweise vorher oder nachher buchen – soweit steuerlich zulässig.
2. Eigenkapital maximieren
Mehr Eigenkapital senkt das Bankenrisiko und damit Ihren Zinssatz. Als Faustregel gilt: Mindestens 20 % des Kaufpreises sollten Sie selbst mitbringen – besser 25–30 %. Dazu kommen die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler), die Sie in der Regel vollständig aus eigener Tasche zahlen müssen.
3. SCHUFA bereinigen
Checken Sie Ihre SCHUFA-Einträge frühzeitig auf Fehler und beantragen Sie die Löschung veralteter negativer Einträge. Eine saubere SCHUFA ist nicht verhandelbar.
4. Mehrere Banken anfragen – aber klug
Mehrfachanfragen können Ihre SCHUFA-Score belasten. Nutzen Sie deshalb Konditionsanfragen (statt vollständiger Kreditanfragen) oder arbeiten Sie mit einem Vermittler, der die Anfrage gebündelt stellt. Vergleichen Sie aber immer selbst – verlassen Sie sich nicht blind auf den Tipp des Vermittlers.
5. Kaufpreis und Lage kennen
Ein attraktives Objekt zu einem guten Preis macht die Finanzierung leichter. Banken schauen auf den Beleihungswert der Immobilie – und ein Objekt, das klar unter Marktwert liegt, gibt Puffer. Genau das war im Fall von Dmytro und Yulia entscheidend.
Meine Erfahrung: Immobilienkredit als Unternehmer – Dmytros Geschichte
Ich werde hier offen sein, weil ich denke, dass Beschönigungen niemandem helfen.
Meine Frau Yulia ist selbstständig. Als wir ein Ferienhaus in Bad Grund im Harz gefunden haben – Ferienhaus Adelheid, ein charmantes Objekt im Kelchtal – war der Preis gut. Attraktiv genug, dass wir es tatsächlich kaufen wollten, obwohl uns klar war: eine Finanzierung als Unternehmerin wird kein Spaziergang.
Wir haben einen Kreditvermittler eingeschaltet. Der Service war hervorragend – solange wir sein Kontingent noch nicht ausgeschöpft hatten. Termingenau, erreichbar, zuvorkommend. Dann, nach Abschluss, hat sich das Bild komplett verändert. Die Erreichbarkeit sank auf Null, Rückfragen wurden hinhaltend beantwortet, Nachverhandlungen waren nicht drin. Das Fazit: Ein Kreditvermittler arbeitet für die Bank, nicht für Sie. Seine Provision kommt von der Bank. Denken Sie daran, wenn er Ihnen erklärt, das sei das beste Angebot auf dem Markt.
Die Konditionen: Was als Selbstständige wirklich bezahlt wurde
Die Finanzierung lief über DZ HYP – eine der wenigen Banken, die Selbstständige überhaupt ernsthaft finanzieren. Das ist das Positive. Das Negative:
- Zinssatz: über 7 % p.a. – zum Vergleich: ein gut beleumundeter Angestellter hätte in der gleichen Marktphase 3,5–4,5 % gezahlt.
- Kein Sondertilgungsrecht oder nur sehr eingeschränkt – jede zusätzliche Zahlung kostet extra.
- Hohe Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Ablösung – ein goldenes Käfig-Prinzip: die Bank will Sie langfristig festhalten.
- Ein Angestellter hätte das Doppelte bis Dreifache des Kreditbetrags zu deutlich besseren Konditionen bekommen. So einfach ist das.
Warum wir trotzdem unterschrieben haben
Weil das Objekt es wert war. Der Kaufpreis lag deutlich unter dem Marktwert für vergleichbare Ferienhäuser im Harz – und das Renditepotenzial als Ferienimmobilie war klar positiv. Ohne diesen Preispuffer hätte die Finanzierung wirtschaftlich keinen Sinn ergeben. Die Investition rechnet sich nur, weil der Einkaufspreis stimmte – nicht wegen der Bankkonditionen.
Meine Lehren für jeden Selbstständigen
- Banken sind Unternehmen. Sie wollen Geld verdienen. Nicht an Ihrem Erfolg – an Ihrem Kredit. Je schwieriger Ihre Situation, desto mehr können sie verlangen. Das ist legal, das ist Markt. Aber vergessen Sie das nie.
- Lesen Sie jeden Satz im Kreditvertrag. Nicht überfliegen – lesen. Besser: geben Sie den Vertrag einer KI zur Analyse. Ich meine das ernst. Lassen Sie ihn von ChatGPT oder Claude durchleuchten, bevor Sie unterschreiben. Worauf achten? Sondertilgungsrechte, Vorfälligkeitsregelung, Zinsanpassungsklauseln, Bereitstellungszinsen.
- Verhandeln Sie. Das Erstangebot ist nie das beste. Selbst wenn der Spielraum gering ist – fragen kostet nichts. Verlangen Sie schriftliche Angebote von mehreren Banken und spielen Sie diese gegeneinander aus.
- Vermittler: nützlich, aber nicht neutral. Ein guter Vermittler kann Türen öffnen, die Sie alleine nicht finden. Aber er ist kein Anwalt und kein Treuhänder. Hinterfragen Sie jede Empfehlung.
- Kaufpreis schlägt Zinssatz. Ein schlechter Zinssatz bei einem sehr guten Einkaufspreis kann immer noch ein gutes Geschäft sein. Ein guter Zinssatz bei einem überteuerten Objekt ist ein schlechtes.
Typische Fehler beim Immobilienkredit für Selbstständige
Diese Fehler passieren regelmäßig – und kosten Geld oder die Finanzierung ganz:
Fehler 1: Zu früh zu wenig Eigenkapital
Wer mit 10 % Eigenkapital zur Bank geht, wird entweder abgelehnt oder zahlt einen massiven Risikoaufschlag. Als Selbstständiger sollten Sie niemals ohne solide Eigenkapitalbasis in ein Finanzierungsgespräch gehen.
Fehler 2: Kein Steuerberater – oder BWA ohne Stempel
Das ist in der Praxis ein K.O.-Kriterium: Banken verlangen eine BWA mit Unterschrift und Stempel des Steuerberaters. Eine selbst erstellte BWA – egal wie korrekt – wird in der Regel nicht akzeptiert. Wer als Selbstständiger ohne Steuerberater arbeitet, hat bei der Immobilienfinanzierung kaum eine Chance. Dazu kommen Steuerbescheide mit unerklärten Einbrüchen, fehlende Jahresabschlüsse oder lückenhafte Kontoauszüge – all das erzeugt Misstrauen. Bereiten Sie sich vor: vollständig, und lassen Sie alles vom Steuerberater bestätigen.
Fehler 3: Nur eine Bank anfragen
Die erste Bank, die ablehnt, ist nicht das Ende. Die zweite auch nicht. Vergleichen Sie aktiv – und nutzen Sie Ablehner als Hebel, wenn eine andere Bank finanzierungsbereit ist.
Fehler 4: Vertrag nicht vollständig prüfen
Vorfälligkeitsentschädigungen, fehlende Sondertilgungsoptionen, Bereitstellungszinsen ab dem ersten Tag – all das steht im Kleingedruckten und kostet real Geld. Lesen Sie alles. Oder lassen Sie es prüfen.
Fehler 5: Vermittler für neutral halten
Ein Kreditvermittler ist ein Verkäufer. Das heißt nicht, dass er schlecht ist – aber sein Incentive ist die Provision, nicht Ihr Sparergebnis. Wissen Sie das und agieren Sie entsprechend.
Fehler 6: Schlechten Kaufpreis durch guten Kredit kompensieren wollen
Kein Zinssatz der Welt macht aus einem überteuerten Objekt ein gutes Investment. Der Kaufpreis ist die wichtigste Variable – nicht der Zinssatz.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Als Selbstständiger, Unternehmer oder Freiberufler bei der Immobilienfinanzierung? Wir freuen uns über persönliche Geschichten und Einblicke aus der Praxis – schreiben Sie uns gerne: Kontakt zur Redaktion
FAQ: Immobilienfinanzierung für Selbstständige
Kann ich als Selbstständiger überhaupt eine Immobilie finanzieren?
Ja, aber nicht bei jeder Bank und nicht zu denselben Konditionen wie Angestellte. Genossenschaftsbanken (z. B. über DZ HYP), regionale Sparkassen und spezialisierte Vermittler sind die realistischsten Anlaufstellen. Entscheidend sind stabile Einkommensnachweise über mindestens zwei Jahre sowie ausreichend Eigenkapital.
Wie viel Eigenkapital brauche ich als Selbstständiger für eine Immobilienfinanzierung?
Als Faustregel sollten Sie mindestens 20 % des Kaufpreises als Eigenkapital mitbringen – besser 25–30 %. Dazu kommen die Kaufnebenkosten (je nach Bundesland 7–12 % des Kaufpreises), die in der Regel nicht finanziert werden. Insgesamt sollten Sie also 30–40 % des Gesamtaufwands aus eigenen Mitteln stemmen können.
Welche Unterlagen brauche ich für den Kreditantrag als Selbstständiger?
Mindestens: Steuerbescheide der letzten 2–3 Jahre, betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA), Jahresabschlüsse oder EÜR, aktuelle Kontoauszüge (3–6 Monate, privat und betrieblich), SCHUFA-Auskunft sowie die üblichen Immobilienunterlagen (Grundbuch, Exposé, Energieausweis). Je vollständiger, desto schneller geht es.
Zahlen Selbstständige höhere Zinsen als Angestellte?
In der Regel ja. Der Aufschlag liegt oft bei 0,5 bis 1,5 Prozentpunkten – in ungünstigen Marktphasen und bei schwierigen Einkommensverhältnissen auch mehr. Dmytros Erfahrung zeigt, dass Zinssätze von über 7 % p.a. keine Ausnahme sind. Das ist real und sollte in jede Rentabilitätskalkulation einfließen.
Lohnt sich ein Kreditvermittler für Selbstständige?
Vermittler können Zugang zu Banken verschaffen, die Selbstständige tatsächlich finanzieren – das ist ihr echter Mehrwert. Aber: Ihre Vergütung kommt von der Bank, nicht von Ihnen. Das bedeutet, ihr Incentive ist nicht automatisch deckungsgleich mit Ihrem. Nutzen Sie Vermittler als einen Kanal unter mehreren, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage. Und prüfen Sie das Angebot immer selbst.
