Die Forschung kann bis heute nicht mit Sicherheit sagen, wie das Schnurren-Geräusch genau entsteht. Eine Hypothese ist, dass das Schnurren durch das Zungenbein der Katze entsteht. An diesem verknöcherten Knorpel entsteht beim Ein- und Ausatmen eine Reibung. Das Zungenbein vibriert und die Katze schnurrt. Was jedoch nicht ganz ins Bild passt, ist die Tatsache, dass die Atemluft die ganze Zeit am Zungenbein reibt und es so zum Vibrieren bringt, die Katze das Geräusch jedoch nicht dauerhaft erzeugt, sondern es bewusst oder unbewusst in verschiedenen Situationen einsetzt.
Doch warum schnurrt eine Katze?
Bei Löwen, Geparden, aber vor allem bei Hauskatzen kann man in den unterschiedlichsten Gemütslagen diesen Laut vernehmen. Antworten auf diese Frage können trotz umfangreicher Forschungen nur vermutet werden. Folgendes lässt sich jedoch mit ziemlicher Gewissheit sagen: Das Schnurren dient in erster Linie der Kommunikation und liegt im niedrigen Frequenzbereich zwischen 25 Hz und 150 Hz.
Bereits zwei Tage nach der Geburt kann man bei kleinen Babykatzen dieses charakteristische Geräusch vernehmen. Der Nachwuchs schnurrt vor allem beim Säugen an den Zitzen der Mutter. Der Mutterkatze wird so signalisiert, dass ihr Wurf ausreichend mit Milch versorgt wird, zufrieden ist und sich behaglich fühlt. Durch das Schnurren findet also ein kommunikativer Austausch zwischen den Jungen und der Mutter statt.
Katzen kann man in den unterschiedlichsten Momenten beim Schnurren beobachten. Schnurren beim Schlafen, beim Essen oder beim Kraulen an bevorzugten Körperstellen lasst darauf schließen, dass Katzen dieses Geräusch erzeugen, wenn sie sich wohl fühlen, zufrieden sind und ihrem Gegenüber vertrauen.
Doch auch in weniger angenehmen Momenten schnurren Katzen: bei der Geburt von Nachwuchs, bei schwerer Krankheit oder beim Tierarztbesuch. Man könnte annehmen, dass in Angstzuständen, bei Schmerzen und in Situationen der Unsicherheit das Schnurren zur Beruhigung dient. In einer Stresssituation wie beim Tierarzt kann es außerdem ein Signal sein für: „Ich tue dir nichts, wenn du mir nichts tust.“
Schnurren als Selbstheilung: Was die Wissenschaft sagt
Forscher der Universität California haben eine interessante These aufgestellt: Die Frequenzen, in denen Katzen schnurren (25 bis 50 Hz), entsprechen jenen, die in der Medizin zur Beschleunigung der Knochenregeneration eingesetzt werden. Das Schnurren könnte also eine Art eingebauter Selbstheilungsmechanismus sein, der die Knochen und das Gewebe der Katze stärkt. Tatsächlich erholen sich Katzen nach Knochenbrüchen auffallend schnell im Vergleich zu anderen Tieren ähnlicher Größe.
Diese Theorie erklärt auch, warum Katzen auch dann schnurren, wenn es ihnen nicht gut geht: Der Körper setzt diesen Mechanismus ein, um die Heilung zu beschleunigen und Schmerzen zu lindern. Menschen mit Katzen berichten zudem regelmäßig, dass das Schnurren ihrer Tiere beruhigend wirkt. Studien deuten darauf hin, dass Katzenbesitzer statistisch seltener an Herzerkrankungen leiden – ob das Schnurren daran beteiligt ist, bleibt jedoch Gegenstand weiterer Forschung.
Verschiedene Arten des Schnurrens
Nicht jedes Schnurren ist gleich. Katzen haben laut Forschern mehrere Varianten:
- Das entspannte Schnurren: Gleichmäßig und tief – die Katze fühlt sich wohl und sicher.
- Das Aufforderungsschnurren: Enthält eine hochfrequente Komponente, ähnlich dem Schreien eines Babys. Katzen setzen es ein, um Menschen zu Fütterungszeiten zu animieren.
- Das Stressschnurren: Unregelmäßiger und leiser – signalisiert Unbehagen oder Schmerz.
Erfahrene Katzenbesitzer lernen mit der Zeit, diese Nuancen zu unterscheiden. Das Aufforderungsschnurren zur Fütterungszeit klingt spürbar anders als das entspannte Schnurren eines schlafenden Tiers auf dem Sofa.
Können alle Katzenarten schnurren?
Interessanterweise können nicht alle Katzenarten schnurren. Große Raubkatzen wie Löwen und Tiger können brüllen, aber nicht dauerhaft schnurren. Kleinere Wildkatzen wie Pumas, Geparden und Hauskatzen können hingegen sowohl beim Einatmen als auch beim Ausatmen schnurren – ein durchgehender Klang entsteht.
Der Unterschied liegt im Kehlkopfknorpel: Bei großen Raubkatzen ist er verknöchert und erlaubt das mächtige Brüllen, verhindert aber das gleichmäßige Schnurren. Bei Hauskatzen bleibt er beweglich und ermöglicht das typische Schnarren beim Ein- und Ausatmen.
FAQ: Schnurren bei Katzen
Warum schnurrt meine Katze so laut?
Lautes Schnurren bedeutet in den meisten Fällen, dass sich Ihre Katze sehr wohl und entspannt fühlt. Manche Rassen – darunter Britisch Kurzhaar oder Maine Coon – schnurren von Natur aus lauter als andere.
Warum schnurrt meine Katze, obwohl sie krank ist?
Schnurren ist kein ausschließliches Zeichen von Wohlbefinden. Katzen schnurren auch bei Schmerzen, Stress oder Krankheit – möglicherweise als Selbstheilungsmechanismus. Wenn Ihre Katze trotz Schnurrens Anzeichen von Krankheit zeigt, sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen.
Können Katzen und Hunde gleichzeitig schnurren?
Hunde können nicht schnurren. Das ist eine Fähigkeit, die nur bei Katzenartigen vorkommt. Manche Hunde erzeugen beim tiefen Grunzen ähnliche Geräusche, aber das ist physiologisch ein anderer Mechanismus.
