In gewissen Regionen bzw. Gebieten sind Zecken gefährlicher als in anderen, da die Tiere hier häufiger gewisse Krankheitserreger tragen. Denn Zecken können Krankheiten übertragen die bis zum Tode führen. Wo in und um Deutschland man besonders aufpassen sollte und wo die Zecken besonders gefährlich sind, zeigen wir nachfolgend auf – mit den aktuellen FSME-Risikogebieten des Robert Koch Instituts für 2026.
FSME-Risikogebiete 2026: Was das RKI empfiehlt
Das Robert Koch Institut (RKI) aktualisiert jedes Jahr die Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland. Für 2026 gilt: Die Zahl der Risikogebiete ist im Vergleich zu den Vorjahren weiter gestiegen. Insgesamt sind mittlerweile über 180 Landkreise als Risikogebiete eingestuft. Das RKI empfiehlt die FSME-Schutzimpfung für alle Personen, die in diesen Gebieten wohnen oder sich dort aufhalten und dabei Kontakt zu Zecken haben können – also beim Aufenthalt im Freien, beim Wandern, Campen oder Gartenarbeit.
Die Impfempfehlung gilt ausdrücklich auch für kurze Reisen in Risikogebiete. Wer etwa einen Ausflug in den Bayerischen Wald oder den Schwarzwald plant, sollte vorher mit dem Hausarzt über eine Impfung sprechen. Mehr dazu im Artikel FSME- und Zecken-Impfung: Ablauf, Kosten und Wirkung.
Das Zecken-Risiko in Bayern und Baden-Württemberg
- In Deutschland gelten Baden-Württemberg und Bayern zu den Bundesländern, in denen die Ansteckung mit einer Krankheit durch Zeckenbisse als extrem hoch gilt.
- Sie zählen zu den FSME-Risikogebieten, die vom Robert Koch Institut eingeteilt werden.
- Sämtliche Landkreise in Baden-Württemberg zählen zu den Risikogebieten. Die einzige Ausnahme ist der Landkreis Heilbronn. Dieser gehört zwar nicht zu den bestimmten Risikogebieten, dennoch kommen Erkrankungen durch Zeckenbisse nicht selten vor.
- Auch fast alle Landkreise in Bayern zählen zu den sogenannten Risikogebieten. Ausnahmen sind nur die Landkreise Günzburg, Augsburg, Ostallgäu, Landsberg am Lech, Weilheim-Schongau, Fürstenfeldbruck, Dachau und München. Aber auch hier ist die Übertragung von Krankheiten durch einen Zeckenbiss keine Seltenheit.
- Sofern man in Baden-Württemberg oder Bayern wohnt, sollte man sich dringend impfen lassen.
- Auch Personen, die ihren nächsten Urlaub in dieser Region verbringen wollen, sollten sich frühzeitig über eine Impfung informieren.
Das Zecken-Risiko im Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen
- Ein durchmischtes Bild des Risikos durch einen Zeckenbiss zu erkranken, findet sich in den Bundesländern Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen.
- Im Saarland zählt lediglich der Saar-Pfalz-Kreis zu den Risikogebieten. Sämtliche andere Landkreise sind nicht auffällig und daher ohne Risikoeinstufung.
- In Rheinland-Pfalz zählt nur der Landkreis Birkenfeld zu den Risikogebieten. Ein leicht erhöhtes Risiko, das aber nicht zur Einstufung zum Risikogebiet ausreicht, herrscht in den Landkreisen Bad Kreuznach, Bad Dürkheim, Pirmasens, Südliche Weinstraße, Altenkirchen, Rhein-Lahn-Kreis und Mainz.
- In Hessen zählen vor allem die südlichen Landkreise, die an Baden-Württemberg grenzen, zu den Risikogebieten. Dies sind die Landkreise Groß-Gerau, Offenbach, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Bergstraße, Odenwaldkreis und der Main-Kinzig-Kreis. Aber auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf gilt als Risikogebiet.
- In Thüringen zählen die Landkreise Hildburghausen, Sonneberg, Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Orla-Kreis, Saale-Holzlandkreis, Jena und Gera zu den Risikogebieten.
- In diesen Bundesländern sollte dringend über eine entsprechende Impfung nachgedacht werden.
Das Zecken-Risiko in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern
- In diesen vier Bundesländern gibt es keine offiziellen Risikogebiete. Allerdings sind einige Landkreise vorhanden, in denen ein erhöhtes Risiko besteht.
- In Sachsen sind dies die Landkreise Vogtlandkreis, Zwickau, Chemnitz, Mittelsachsen, Nordsachsen, Leipzig, Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen, Görlitz und Dresden.
- In Sachsen-Anhalt sind diesbezüglich folgende Landkreise vertreten: Harz, Börde und Halle.
- In Brandenburg sind die Landkreise Uckermark, Oder-Spree, Dahme-Spreewald, Oberspreewald-Lausitz und Cottbus betroffen.
- In Mecklenburg-Vorpommern sind dies folgende Landkreise: Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald, Mecklenburgische Seenplatte und Ludwigslust-Parchim.
- In diesen Regionen sollte zumindest über eine Impfung nachgedacht werden.
Das Zecken-Risiko in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein
- Auch in diesen drei Bundesländern gibt es keine Risikogebiete. Hier sind lediglich vereinzelt Landkreise vorhanden, in denen ein erhöhtes Risiko gegeben ist.
- In Nordrhein-Westfalen sind dies die Landkreise Städteregion Aachen, Mettmann, Coesfeld und Steinfurt.
- In Niedersachsen sind folgende Landkreise betroffen: Nienburg, Region Hannover, Hildesheim, Goslar, Helmstedt, Rotenburg, Cuxhaven und Oldenburg.
- In Schleswig-Holstein sind dies die Landkreise Pinneberg, Segeberg, Stormarn und das Herzogtum Lauenburg.
- In diesen Bundesländern ist eine Impfung nicht dringend erforderlich, dennoch sollte man auch in diesen Gebieten zur Sicherheit eine Impfung in Betracht ziehen.
Das Zecken-Risiko in Hamburg, Bremen und Berlin
- In diesen Stadtstaaten herrscht nur ein sehr geringes Risiko durch einen Zeckenbiss zu erkranken.
- Eine Impfung ist daher nur in den seltensten Fällen erforderlich.
Das Zecken-Risiko in Europa
In Europa gibt es neben Deutschland noch weitere Länder, in denen eine Impfung vorteilhaft und dringend angeraten werden kann.
- Bedenkenlos ohne Impfung kann man nur in den folgenden Ländern reisen: Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien, Irland, Griechenland, Mazedonien, Bulgarien und Dänemark.
- Für Reisen nach Norwegen, Schweden, Finnland, Rumänien, Serbien und Kroatien hängt die Dringlichkeit einer Impfung von der jeweiligen Region ab. Spezielle Zeckenkarten für die einzelnen Länder oder eine ärztliche Beratung helfen weiter.
- In folgenden Ländern ist eine Impfung dringend ratsam: Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowenien, Ungarn, Albanien, Slowakei, Polen, Ukraine, Weißrussland, Russland, Litauen, Estland und Lettland. Diese Länder zählen zu den Risikoländern.
Zecken erkennen: Wann ist ein Biss gefährlich?
Nicht jeder Zeckenbiss führt zu einer Erkrankung. Das Risiko hängt davon ab, ob die Zecke einen Krankheitserreger trägt und wie lange sie Blut saugt. Als Faustregel gilt: Eine Zecke muss in der Regel 12 bis 24 Stunden eingestochen sein, bevor Borrelien übertragen werden. Bei FSME-Viren kann die Übertragung bereits innerhalb von Minuten erfolgen. Welche Anzeichen nach einem Zeckenbiss auf eine Erkrankung hindeuten, sollte man kennen.
- Borrelia burgdorferi (Lyme-Borreliose): Typisches Frühzeichen ist eine kreisförmige Rötung um die Einstichstelle (Wanderröte, Erythema migrans), die sich innerhalb von Tagen bis Wochen ausbreitet. Nicht alle Infizierten entwickeln dieses Zeichen. Unbehandelt kann Borreliose Gelenke, Herz und Nervensystem schädigen.
- FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Wird durch das FSME-Virus ausgelöst. Symptome ähneln anfangs einer Grippe, können sich aber zu einer schweren Hirnhautentzündung entwickeln. Gegen FSME gibt es eine wirksame Impfung – gegen Borreliose nicht.
Erste Hilfe nach einem Zeckenbiss
Die wichtigste Maßnahme nach einem Zeckenbiss ist die schnelle und korrekte Entfernung der Zecke. Detaillierte Informationen dazu, wie man eine Zecke richtig entfernt und wann man zum Arzt sollte, findest du in unserem ausführlichen Ratgeber. Kurzgefasst gilt Folgendes:
- Zecke so nah wie möglich an der Haut mit einer feinen Pinzette, einer Zeckenzange oder einem Zeckenkärtchen greifen.
- Langsam und gerade nach oben ziehen – kein Drehen, Quetschen oder Drücken. Quetschen kann Körperflüssigkeiten der Zecke in die Wunde pressen und das Infektionsrisiko erhöhen.
- Niemals Öl, Nagellack oder Klebstoff auf die Zecke geben – das erhöht den Stress der Zecke und damit das Übertragungsrisiko.
- Einstichstelle nach Entfernung mit Alkohol desinfizieren.
- Datum des Bisses notieren und die Stelle in den folgenden Wochen beobachten.
Tipp: Die Einstichstelle mit einem wasserfesten Stift umkreisen und fotografieren. So lässt sich eine mögliche Wanderröte leichter beurteilen. Bei Rötung, Schwellung, Fieber oder Gliederschmerzen in den Wochen nach dem Biss unbedingt einen Arzt aufsuchen und auf den Zeckenbiss hinweisen.
Zeckenschutz: So schützen Sie sich wirksam
Neben der Kenntnis der Risikogebiete ist der aktive Schutz vor Zeckenbissen entscheidend. Einen umfassenden Überblick über alle aktuellen Schutzmaßnahmen bietet unser Artikel zum Zeckenschutz 2026. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- FSME-Impfung: Für Personen in Risikogebieten dringend empfohlen. Grundimmunisierung aus 3 Impfungen, danach alle 3-5 Jahre auffrischen. Die Impfung schützt zuverlässig gegen das FSME-Virus.
- Repellentien: Mittel mit DEET oder Icaridin schützen mehrere Stunden vor Zeckenbissen. Auf frei liegende Haut und Kleidung auftragen.
- Kleidung: Helles, enganliegendes Langarmoberteil und lange Hosen; Hosenenden in die Socken stecken. Auf heller Kleidung sind Zecken leichter zu erkennen.
- Körpercheck nach dem Aufenthalt im Freien: Besonders Kniekehlen, Achselhöhlen, Leistengegend, Bauchnabel und Kopfhaut absuchen. Zecken bevorzugen warme, feuchte Stellen.
- Haustiere: Hunde und Katzen bringen Zecken ins Haus. Zeckenhalsbänder oder Spot-On-Präparate schützen Tiere und reduzieren das Einschlepprisiko.
Erfahrungsbericht aus der Leserschaft
Ein Leser aus dem Harz berichtet: Er fand nach einem Waldspaziergang mit seinem Hund eine eingesaugte Zecke am Hinterbein des Tieres – und bemerkte kurz darauf, dass er selbst eine Zecke an der Kniekehle hatte. Beide Zecken wurden mit einer Zeckenzange entfernt. Die Einstichstelle bei ihm rötete sich in den folgenden Tagen leicht, ohne dass sich eine typische Wanderröte entwickelte. Sein Hausarzt riet zur Beobachtung und stellte fest, dass die Rötung harmlos war. Der Leser empfiehlt: Jeder, der regelmäßig im Wald oder in der Natur unterwegs ist, sollte sich und seine Haustiere nach jedem Ausflug gründlich absuchen – auch in Regionen, die nicht als offizielle FSME-Risikogebiete eingestuft sind.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden nach einem Zeckenbiss oder Unsicherheiten zur Impfung wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine Ärztin.
