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Wie Kartoffeln richtig aus der Erde holen bzw. ernten und wie Einlagern?

19. September 2026
Wie Kartoffeln richtig aus der Erde holen bzw. ernten und wie Einlagern?

Fast jeder Hobbygärtner baut in seinem Garten Kartoffeln an. Der Anbau der Erdäpfel ist vergleichsweise unkompliziert und verbessert gleichzeitig die Bodenqualität. Doch bei der Ernte und der Lagerung werden häufig Fehler gemacht, die die Haltbarkeit und den Geschmack der Kartoffeln erheblich beeinträchtigen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Kartoffeln richtig aus der Erde holen, transportieren und optimal über den Winter lagern.

Den richtigen Erntezeitpunkt erkennen

Der Erntezeitpunkt hängt von der Sorte und dem gewünschten Verwendungszweck ab. Generell gilt:

  • Frühkartoffeln (z. B. Annabelle, Christa): Ernte ab Mitte Juni bis Juli, wenn das Laub noch grün ist. Die Knollen sind klein, aber aromatisch.
  • Mittelfrühe Sorten (z. B. Agria, Désirée): Ernte von August bis September, wenn das Laub anfängt zu vergilben.
  • Späte Sorten (z. B. Gala, Nicola): Ernte ab September bis Oktober nach vollständigem Absterben des Krauts.

Wichtig: Abgestorbenes Kraut bedeutet nicht automatisch, dass die Kartoffeln reif sind. Die Erntereife erkennen Sie daran, dass sich die Schale beim Drücken mit dem Daumen nicht mehr abreiben lässt. Bei unreifen Knollen schiebt sich die Schale noch leicht ab.

Die richtige Technik beim Ernten

Das geeignete Werkzeug und die richtige Vorgehensweise verhindern Beschädigungen an den Knollen:

  • Verwenden Sie eine Grabgabel statt eines Spatens. Die Zinken der Grabgabel gleiten besser durch das Erdreich und durchstechen die Knollen seltener.
  • Setzen Sie die Grabgabel etwa 20 bis 30 cm hinter der Pflanze an und drücken Sie sie senkrecht bis zum Anschlag ins Erdreich. Heben Sie die gesamte Pflanze dann aus dem Boden.
  • Schütteln Sie die Pflanze leicht, damit lose Erde abfällt und die anhaftenden Knollen sichtbar werden.
  • Durchsuchen Sie anschließend den Bereich um die Pflanze nochmals mit den Händen – dort befinden sich oft noch einzelne Knollen, die beim Heben abgebrochen sind.
  • Lassen Sie die geernteten Kartoffeln bei trockenem Wetter 1 bis 2 Stunden auf dem Beet liegen, damit die Oberfläche antrocknet. Das reduziert die Anfälligkeit für Fäulnis.

Tipp: Ernten Sie möglichst an einem trockenen, bewölkten Tag. Direktes Sonnenlicht lässt die Schale grün werden (Solanin-Bildung), und Regen erhöht das Fäulnisrisiko beim Lagern.

Kartoffeln richtig transportieren und abtrocknen

Der Transport von der Ernte zum Lagerort ist oft unterschätzt. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:

  • Verwenden Sie einen Kunststoff- oder Holzkorb. In einem Drahtkorb können die Schalen durch die Maschen beschädigt werden, was die Haltbarkeit stark verringert.
  • Legen Sie Kartoffeln mit verletzter Schale, Schnittspuren oder Druckstellen gesondert – diese sollten innerhalb weniger Tage verarbeitet werden.
  • Schütten Sie die Ernte unmittelbar nach dem Transport an einem dunklen, luftigen Ort aus und lassen Sie die Knollen 2 bis 3 Wochen abtrocknen und abhärten (sogenanntes Nachreifen). In dieser Zeit verhärtet sich die Schale, was die Lagerfähigkeit deutlich verbessert.

Die Kartoffeln für die Winterlagerung verlesen

Vor der eigentlichen Einlagerung müssen alle Knollen sorgfältig von Hand geprüft werden:

  • Sortieren Sie alle Kartoffeln mit grünen Stellen, Fäulnisflecken, tiefen Schnittwunden oder Schimmel konsequent aus. Grüne Stellen enthalten das giftige Solanin und sind ungenießbar.
  • Kleine Druckstellen ohne Fäulnis können verbleiben, sollten aber zuerst verbraucht werden.
  • Entfernen Sie lose Erde vorsichtig – waschen Sie die Kartoffeln aber keinesfalls, da Feuchtigkeit Fäulnis begünstigt.

Optimale Bedingungen für die Winterlagerung

Der Lagerort ist entscheidend für eine lange Haltbarkeit. Die idealen Bedingungen sind:

  • Temperatur: 4 bis 8 Grad Celsius. Unter 4 Grad wandeln die Kartoffeln Stärke in Zucker um und schmecken süßlich. Bei Frost werden sie ungenießbar.
  • Luftfeuchtigkeit: 85 bis 95 Prozent relative Luftfeuchtigkeit verhindert, dass die Knollen austrocknen und schrumpfen.
  • Dunkelheit: Licht – selbst gedämpftes Kunstlicht – fördert die Solanin-Bildung. Die Schale wird grün, der Geschmack bitter.
  • Belüftung: Gute Luftzirkulation verhindert Schimmelbildung. Lagern Sie die Knollen nicht zu dicht übereinander.

Geeignete Lagerorte sind Keller, ungeheizte Nebenräume oder spezielle Kartoffelkisten aus Holz. Im Handel und im Baumarkt sind solche Kisten erhältlich; wer handwerklich geschickt ist, kann sie auch selbst bauen.

Häufige Fehler bei der Lagerung vermeiden

  • Kartoffeln nicht neben Äpfeln lagern: Äpfel geben Ethylen ab, das die Kartoffeln schneller keimen lässt.
  • Keine Plastiktüten verwenden: Sie stauen Feuchtigkeit und begünstigen Fäulnis.
  • Regelmäßig kontrollieren: Prüfen Sie das Lager alle 2 bis 3 Wochen und entfernen Sie aufgetauchte faule Kartoffeln sofort, bevor diese auf Nachbarknollen übergreifen.
  • Keime entfernen: Lange Keime entziehen der Knolle Nährstoffe. Brechen Sie diese ab, sobald sie sichtbar sind.

Kartoffeln einfrieren als Alternative

Wer keinen geeigneten kühlen Keller hat, kann Kartoffeln auch einfrieren – allerdings nur in gegarter Form. Rohe Kartoffeln verlieren beim Einfrieren ihre Struktur und werden matschig. Gekochte, gestampfte oder als Kloßmasse vorbereitete Kartoffeln lassen sich hingegen problemlos 6 bis 12 Monate tiefkühlen.

Quellen

Julia Tsybulevska

Julia Tsybulevska ist Redakteurin bei SeiSmart. Die studierte Linguistin (Übersetzerin für Deutsch und Englisch) ist Gründerin der Sprachschule J.T. Communications (jtcom.de) und Vorsitzende des Femina e.V. Sie ist an der TU Clausthal tätig und engagiert sich für Bildung und Integration. Für SeiSmart schreibt sie zu Bildung, Sprache, Alltag und Lifestyle.