Wie werden die Einschaltquoten im Fernsehen berechnet?

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Einschaltquoten geben an, wie viel Prozent an einem Abend eine Sendung gesehen haben: „Die Castingshow hatte 37% der Zuschauer“ etc. Für die Marktforschung, Werbeagenturen und Sender sind solche Daten wichtig. Unter anderem sind diese auch entscheidend ob etwa eine Sendung weiter produziert wird! Doch, Wie läuft eine Quotenermittlung ab?

Wie werden die Einschaltquoten gemessen?

  • Zunächst ist festzuhalten, dass die Gewohnheiten beim Fernsehen von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) ermittelt werden. Dabei werden jedoch nicht alle zig Millionen Fernseher in Deutschland im Stile eines großen Bruders überwacht, sondern es wird nur eine Gruppe von Haushalten als Stichprobe ausgewählt.
  • Diese Gruppe ausgewählter Haushalte ist eher klein – es sind nur rund 5.600. Verglichen mit der Gesamtzahl aller registrierten Fernseher natürlich eine sehr kleine Menge, deswegen ist wichtig, dass sie repräsentativ ist. Konkret bedeutet repräsentativ, dass sich in diesen 5.600 Haushalten dieselben demografischen Verhältnisse wiederspiegeln, wie sie auch in der Bundesrepublik vorliegen. Beispielsweise ist der prozentuale Anteil an Single-Haushalten in der Gruppe genauso groß, wie in ganz Deutschland. Selbiges gilt natürlich auch für Altersgruppen und mehr.
  • Jeder ausgewählte Haushalt bekommt eine Quotenbox, die mit einer speziellen Fernbedienung verbunden ist. Diese Box ist ein Rechner, der im 1-Sekunden-Takt ganz genau aufzeichnet, welche Sender zu welcher Zeit gewählt werden.
  • Um herauszufinden, wer in einem Mehrpersonenhaushalt die Person ist, die gerade Fern schaut, gibt es eine zusätzliche Funktion: An der Box oder der Fernbedienung muss zu Beginn des Zuschauens eine Nummer gedrückt werden. Jedem Familienmitglied wurde vorab eine solche Nummer zugewiesen, so steht die 1 beispielsweise für den Vater, 2 die Mutter, 3 das älteste Kind usw. Alle Personen müssen sich somit beim Fernsehen anmelden und auch wieder abmelden, damit die Box genau Bescheid weiß. So kann dann auch erfahren werden, wie viele Menschen (und nicht wie viele Haushalte) diese und jene Sendung verfolgt haben, und zu welcher Altersgruppe sie gehören.
  • Wer allerdings sich mitten in einer Sendung abmeldet, muss als Testperson herunter „gewichtet“ werden: Zum Beispiel sieht sich jemand eine 60-minütige Show nur 30 Minuten lang an meldet sich dafür ordnungsgemäß an und ab. In diesem Fall wird die betreffende Person dann mit dem Faktor 0,5 gewichtet, oder anders ausgedrückt: Aus Sicht der Box hat nur eine halbe Person zugesehen!
  • Die endgültige Ermittlung der Einschaltquote erfolgt dann einfach durch das Prinzip des Hochrechnens: Angenommen, 1.120 Haushalte der Kontrollgruppe haben an einem Abend die Sendung X gesehen. Das sind genau 20 Prozent der 5.600 Geräte. Nun werden diese 20 Prozent auf die rund 40 Millionen angemeldeten TV-Geräte in ganz Deutschland angerechnet – und entsprechen damit 8 Millionen. Das heißt, dass ungefähr 8 Millionen Fernseher an besagtem Abend auf Sendung X geschaltet waren.

Weitere interessante Fakten rund um Einschaltquoten

  • Wer den eigenen Haushalt der GfK für die Quotenmessung zur Verfügung stellt, enthält eine einmalige finanzielle Entschädigung in Höhe von 250 Euro. Hinzu kommt eine monatliche Stromkostenpauschale, die 10 Euro beträgt.
  • Das Verfahren kommt den Verantwortlichen auch nicht ganz billig: Jedes Jahr kostet es rund 20 Millionen Euro, was teilweise auf die stetige Modernisierung der Quotenbox zurückzuführen ist.
  • Die Auswahl der Haushalte für die repräsentative Stichprobe geschieht durch eine telefonische Kontaktaufnahme.
  • Seit 1975 werden Einschaltquoten in Deutschland berechnet. Damals erreichten Sendungen noch Marktanteile von bis zu 90 Prozent, von denen heutige Fernsehshowmaster wohl nur ganz fest zu träumen wagen. Zurückzuführen ist dies allerdings auf deutlich weniger Fernsehgeräte und auch eine geringere Auswahl an Sendern in den Siebzigern.
  • Einschaltquoten sind der bestimmende Faktor bei der Aushandlung von Preisen für Werbespots: Je höher die Einschaltquote für eine bestimmte Sendung oder Zeit, desto mehr muss die Werbeagentur für ihren Spot bezahlen.
  • In Zeiten von Livestreams und Online-Mediatheken verschwimmt die Aussagekraft von Einschaltquoten. Daher sollte ein Sender auch nach Möglichkeiten suchen, die Nutzung seiner Internet-Angebote messen zu können.

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